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Der letzte Teil für diese Woche.

„Ich habe auch noch mehr als das“, antworte Yannick. Tanja und Daniel schauten gespannt.

„Na dann, raus damit“, sagte Tanja schließlich.

„Katrin Schröder hat ihre Tochter identifiziert und erzählte, sie habe Lisa aka Rebecca das letzte Mal gesehen, als diese Dezember 2000 eine Fehlgeburt hatte. John ist wiederum Oktober 2001 geboren“, meinte Yannick und skizzierte fleißig an dem Whiteboard den Zeitablauf.

„Als Lisa 2003 ihre Mutter anrief und ihr die Telefonnummer von der Tatortwohnung gab, sagte sie ihr Sohn John sei jetzt 2 Jahre alt.“

„Das passt einfach nicht zusammen“, meinte Daniel.

„Ich werf mal eine Theorie in den Raum“, sagte Yannick: „ ich denke, das Lisa eine Fehlgeburt hatte und so vernarrt in ihren Kinderwunsch war, dass sie ein Kind entführt hat. Anschließend änderte sie ihren Namen und zog um.“

„Und wessen Kind hat sie entführt? Wenn ich mal fragen darf“, meinte Daniel.

„Finn Hoffmann wurde am 15.10.2001 von der Frühchenstation des Geburtshauses Ost entführt. Auf den damaligen Tatortfotos ist mir aufgefallen, dass die Wohnung mit Girlanden dekoriert war. Sie hatten in der Woche davor Johns Geburtstag gefeiert. Wahrscheinlich hat Lisa Schröder zwar ihren und seinen Namen geändert, aber die Geburtsdaten behalten. Grade an meiner kleinen Nicole sehe ich ja selber, wie schnell sich kleine Kinder entwickeln. Da kann man gar nicht um einen einzigen Monat schummeln“, schlussfolgerte Yannick.

„Können wir einen DNA-Abgleich machen?“, fragte Tanja.

„Können wir, aber schaffen wir nicht innnerhalb von 5 Tagen… außer du hast sehr gute Kontakte zum Labor. Und außerdem brauchen wir eine Vergleichsprobe“, antwortete Daniel.

„Wie spät ist es?“ fragte Tanja.

Daniel schaute kurz auf seine Armbanduhr: „Es ist 18:45Uhr.“

„Ok, vielleicht können wir außer den Mord auch noch eine Entführung aufklären. Ich fahr nochmal zu Johns Pflegefamilie und hol mir ‘ne Zahnbürste. Daniel du fährst zur Familie Hoffmann und fragst die Mutter nach einem DNA-Stück. Es geht um den verloren Sohn, da ist jede Uhrzeit recht. Yannick, du hältst Dr. Brumm vom gehen aus der Pathologie auf, sie muss noch bis 20Uhr zwei Proben in das Dingens-Teil tun. Hast du verstanden?“

Sowohl Daniel als auch Yannick nickten und setzten sich mit Tanja in Bewegung. Frau Dr. Brumm schüttelte nur den Kopf als sie die drei Geister 19:57Uhr auf der Türschwelle sah.

 

„Ok, die Ärztekammer mauert“, meinte Yannick entnervt.

„Mach dir doch  nicht so schwer“, antwortete Daniel und griff zum Telefon.

„Was hast du vor?“ fragte Yannick und schaute zwischen Tanja, die tiefenentspannt ihren Tee trank, und Daniel.

„Hi Vani“, rief Daniel freudestrahlend ins Telefon: „Wenn du einen großen Kinderwunsch hättest und einen Arzt in Grünersdorf möchtest, wen ruft du an? Echt jetzt. Nein, sagt bloß. danke dir.“

Yannick runzelte die Stirn. Tanja musste schmunzeln. Da hatte sich der arme Yannick abgemüht, einen Arzt ausfindig zu machen und Vanessa wusste die Antwort auch so.

„Und wen würde Vanessa vorschlagen?“ fragte Tanja amüsiert.

„Doktor Thomas Holzer. Gynäkologe und Berater beim Kinderwunschzentrum. Vanessas ehemalige Arbeitskollegin ist so schwanger geworden – halt nur nicht von ihrem Mann“, fügte Daniel an.

„Oh, so ein engagierter Arzt“, meinte Yannick und tippte den Namen ein: „Bergstraße 3a. Wer fährt hin?“

„Ich“, antwortete Tanja und stellte ihren Fencheltee zur Seite.

„Ich komm mit“, meinte Yannick.

 

Die Bergstraße 3a war ein modernes Einfamilienhaus. In der Garage standen zwei Mercedes Sonderklasse. Die untere Etage bestand aus einem  Wartezimmer und einem Behandlungsraum.

„Doktor Holzer?“, fragte Tanja als sie einen großen, schlanken Mann Mitte 50 vor der Tür sah.

„Ja, was kann ich für sie tun?“ Was für eine markante Stimme, dachte sie Tanja in diesem Moment.

„Kripo“, sagte Yannick und Tanja, wie aus einem Mund.

„Wir hätten da eine Frage zu einer möglichen Patientin von ihnen“, ergänzte Tanja und zog ein Foto von Lisa Schröder aus der Tasche.

Noch bevor Doktor Holzer das Bild sah, sagte er: „Sie wissen, dass ich einer Schweigepflicht unterliege, oder?“

„Nicht, wenn es über ein Patientenverhältnis hinaus geht. Ich rede von Lisa Schröder. Auch bekannt als Rebecca Schneider“, meinte Tanja und zeigte das Bild hin. Die Reaktion eindeutig: hier war ein wunder Punkt.

„Ich weiß nicht wovon sie reden.“

„Vielleicht sollten wir lieber rein gehen. Es muss ja nicht gleich die ganze Nachbarschaft wissen, dass hier Ehebrecher unterwegs sind“, flüsterte Yannick und nickte Richtung Tür. Tanja schaute kurz zu Yannick. Der weiche Softie, der etwas Babyspeck von der Schwangerschaft seiner Frau hatte, war auf einmal ein Badboy. Das Spiel guter und böser Cop, hätte sie eher Danniel zugetraut als Yannick. Ihre Fragen, die sie auf einmal hatten mussten aber warten, da ein Mordfall zu klären war.

Sie gingen tatsächlich rein und trafen auf den Weg zum Wohnzimmer auch auf eine Frau Holzer, die sie naserümpfend das Bild von Lisa anschaute. Wusste sie etwas?

„Kennen sie Frau Schröder“, fragte Tanja.

„Nein. Oder doch. Sie war eine Weile eine Patientin bei meinem Mann“, meinte Frau Holzer. Ups, dachte sich Tanja, da weiß die gute Frau mehr wie ihr Mann. Herr Holzer hüstelte leicht und bat seine Frau, Getränke zu holen.

„Weiß ihre Frau von ihren Affären?“ fragte Yannick.

„Wir können beide Sex von Liebe trennen“, antworte Herr Holzer.

„Also steht ein knallharter Ehevertrag hinter ihnen“, schlussfolgerte Yannick. Tanja war sprachlos. Nicht nur, weil Sex ihr Tabuthema beim Smalltalk war, sondern viel mehr, dass sie Yannick so unterschätzt hatte.

„Kann man so sagen. Aber sie sind ja nicht wegen meiner Ehe hier. Was wollen sie von mir?“ Fragte Herr Holzer zurück.

In der Küche war ein klirren zu hören. Tanja horchte auf. „Entschuldigung, dürfte ich ihre Toilette benutzen?“ fragte sie höflich und hielt sich den Bauch.

„Sicher. Liebling, zeig der Frau Kommissarin bitte die Gästetoilette“, sagte Herr Holzer zu seiner Frau als diese zittrig mit den Getränken kam.

Tanja folgte ihr den Flur entlang.

„Kannten Sie die Frau Schröder?“ fragte Tanja als sie bei der Gästetoilette waren.

„Nein, nicht persönlich. Aber ich habe sie oft gesehen zwischen 1999 und 2000. Sie haben es in allen Stellungen überall in der Wohnung getrieben. Und dann war sie weg“, meinte Frau Holzer und lachte auf.

„Glauben Sie, dass…“, fing Tanja an.

„…, dass mein Mann sie auf dem Gewissen hat? Ja. So, müssen sie nun oder nicht?“

Tanja musste und sie hatte ja die Info, die sie wollte.

 

„Der schnellste Fall des Jahres hat also ein Ende“, schlussfolgerte Vanessa.

„Der schnellste Fall des Jahres und die skurrilste Entführung in der Stadtgeschichte“, ergänzte Yannick.

„Also war es wirklich nicht ihr Kind“, schlussfolgerte Vanessa.

„Nope, es ist wirklich Finn Hoffmann. DNA-Test hat es bestätigt. Aber wahrscheinlich wird er weiterhin John Schneider heißen“, meinte Daniel.

„Und warum hat der Herr Doktor sie nun umgebracht?“ fragte Vanessa weiter, die nun endlich den Ausgang wissen wollte.

„Er dachte es sei die ganz große Liebe, aber als sie schwanger war hatte Lisa Schröder ihr Ziel erreicht. und ihn verlassen. Er erkennt, dass er unwichtig für sie war und sie sich auch nicht von dem lästigen Kind trennen wollte“, sagte Tanja.

„Hat der Doktor gewusst, dass das Kind aus einer Entführung ist?“ fragte Vanessa.

„Dazu hat er sich noch nicht geäußert. Vielleicht erfahren wir vor Gericht noch etwas mehr“, meinte Yannick.

„Oder wir werden es nie erfahren“, murmelte Tanja.

„Apropos Vater und Kind. Hat sich denn dein Kindsvater mal gemeldet?“ fragte Daniel ganz unverblümt. Tanja schaute auf und hörte neben sich Vanessa husten.

„Nein. Er nicht und seine Frau auch nicht. Ich steh grade ziemlich alleine da.“

„Du hast uns. Das ist viel mehr Wert als ein Kindesvater“, warf Yannick ein und alle nickten.

 

…Ende