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Teil 2 des aktuellen Tanja Richter Falls…

11:30 Uhr. Tanja fuhr grade auf den Parkplatz des Polizeireviers auf, als ihr Handy klingelte.

„Richter.“

„ich bin’s“, antworte Vanessa.

„Hast was raus bekommen?“

„Wie man’s nimmt… Es gab eine Rebecca Schneider in der Stadt. Also eigentlich 2. Die eine schließe ich aus, weil Jahrgang 1955. Die Eine, die für uns in Frage kommt, ist aber 1999 bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Interessanterweise passen aber alle Angaben von Geburtsdatum und Geburtsort überein. Selbst mein guter Kontakt in der Bürgerstelle war verwundert.“

„Du hast Kontakte ins Bürgeramt?“ fragte Tanja ungläubig. Vanessa, die ständig und immer in geschlossen Räumen unterwegs ist, hatte soziale Kontakte?

„Falls du es vergessen hast: ich bin Bestatterin. Ich arbeite direkt mit den Leuten der Urkundenstelle zusammen.“

Tanja überlegte kurz: „Identitätsdiebstahl?“

„Gut möglich. Direkt nach der Jahrtausendwende waren ja noch die alten Ausweise. Die gingen – so habe ich es zu mindestens gehört – gut zu fälschen. Wohnung und Krankenkasse kannst du problemlos so anmelden beziehungsweise anmieten….“

Vanessa wollte noch weiter ausführen als Tanja ihr das Wort abschnitt.

„Wenn sie sowieso die Daten der Verstorbenen hatte, wäre es auch kein Problem einfach zur Einwohnermelde stelle gegangen zu sein und sich neue Papiere ausstellen zu lassen.“

„Kann ich sonst noch etwas für dich tun?“

Tanja musste nicht lange überlegen. Sah sie grade ihre Notizen von vorhin neben sich liegen.

„Verrate mir was aus Holz oder dicker Pappe ist, so groß ist wie eine Streichholzpackung, und gelb aussieht“, meinte Tanja.

„hmmm… Bimmelbahn“, antworte Vanessa

„Was?“

„Kennst du noch zu Fahrscheine für Bus und Bahn bis 2006? Das waren diese kleinen Pappteile, die es gestempelt hat, wenn man in den Bus einstieg. Ab 2006 gab es dann nur noch die Thermoteile. Die Pappteile sein aber noch bei der Parkeisenbahn als Fahrscheine in Gebrauch“, erklärte Vanessa.

„Ok, muss ich mir mal anschauen. Danke dir. Ich muss jetzt aber auch wirklich ins Büro.“

„Kein Ding. Meld‘ dich mal wieder.“

Damit machte Tanja Schluss und stieg aus dem Auto. An der Eingangstür zum Revier stand schon Yannick, der Tanja von weiten gesehen hatte. Während sie hoch liefen, erzählte Tanja von Vanessa Erkenntnissen.  Im Büro trafen sie auf Daniel, der ein großes Whiteboard im Büro aufgestellt hatte und den Namen Rebecca Schneider darauf geschrieben hatte. Sämtliche Beweisfotos waren angeheftet und Beschriftet wurden.

„Großer Aufwand für einen Fall den wir ein paar Tage nur bearbeiten“, bemerkte Yannick.

„Aber dies ist die richtige Einstellung“, bemerkte Tanja und machte hinter den Namen eine Klammer mit Fragezeichen.

„Wir glauben, dass Rebecca Schneider nicht Rebecca Schneider hieß“, warf Tanja in den Raum.

„Und das glauben nicht nur wir“, ergänzte Daniel und lehnte sich lässig zurück. Tanja und Yannick schauten gespannt Daniel an.

„Ich habe ja nach den Nachbarn gesucht. Nach einigen Telefonaten erzählte mir eine Frau, dass ich doch mal das ‚perverse Schwein‘ aus der 62 fragen soll. Das perverse Schwein heißt eigentlich Heinz Ulbrich, vorbestraft wegen Entblößung und Nachstellung. Dieser hatte tatsächlich am 11.10.2004 gespannt und naja unzüchtige Dinge beim beobachten anderer Fenster getan“, führte Daniel an und schrieb auch diesen Namen an ein Foto aus der Strafakte.

„Was sah er, dass er sich anfassen musste?“, fragte Yannick vorsichtig.

„Wie Rebecca duschte und nackt aus der Dusche kam als ihr Telefon klingelte. Sie meldete sich mit Luise.  Als unser armer Herr Ulbrich dachte, er könnte sich jetzt 10 oder 15 Minuten glücklich schätzen eine unbekleidete Frau zu sehen, klingelte es aber an der Tür. Sie verschwand und Ulbrich auch. Als er aber ‚floh‘ sah er einen Wagen mit dem Aufdruck ‚Reformahaus Kubik‘“, beende Daniel seine Ausführungen.

„Warte mal, ihr Chef oder sein Sohn  haben Rebecca an dem Abend besucht?“, erkundigte sich Yannick: „Davon hat der alte Herr Kubik gar nichts erzählt, als  ich jetzt bei ihm war.“

„Moment, wissen wir die Uhrzeit, wann der Anruf kam? Wir müssen bei der Telekom nachhacken, wer angerufen hat“, überlegte Tanja.

„Gearbeitet hat Rebecca Schneider bis 16Uhr“, sagte Yannick.

„21Uhr wurde als Todeszeitpunkt geschätzt“, sagte Daniel und ergänzte: „sie wurde angezogen aufgefunden und ihre Haare waren zerzaust, aber trocken.“

„Etwa 45 Minuten brauchte sie vom Reformhaus bis zu sich nach Hause“, bemerkte Yannick.

„Ok, sagen, wir sie hat sich erst mal um John gekümmert und sich dann ins Bad begeben. Irgendwo zwischen 17 und 20 Uhr. Daniel, versuchst du die Verbindungsnachweise zu bekommen?“ fragte Tanja. Daniel drehte sich einfach schweigend zu seinem Rechner um.

„Ich würde nachher nochmal zu Kubiks fahren und nachfragen, wer weshalb am 11.10. zu Rebecca gefahren ist“, meinte Yannick.

„Tu das. Sag mal, weißt du noch wie die Fahrkarten hier in der Stadt vor 2006 Ausgesehen haben?“ Fragte Tanja.

„Diese kleinen Pappteile in blau und grün…“ murmelte Yannick machte die gleiche Geste wie John um die Größe zu zeigen.

„Gab’s da keine gelben?“ fragte Tanja.

„Doch, aber die waren selten.“

„Warum?“

„ Also grün war Kurzstrecke bis 30 Minuten Fahrtzeit, blau Tageskarten, rote Karten waren von Montag bis Freitag also für Arbeiter, und gelb war, wenn du zwei Tarifzonen fahren musstest.  Das ist selten, weil du dann in den angrenzenden Dörfern wohnen müsstest“, antworte Yannick.

„Die haben doch sowieso alle Autos.“

„Entweder es sind Bauern, die haben große Maschinen oder Eigenheim Besitzer wie Anwälte und Ärzte, die haben Sondermodelle. Wie du es drehst, wenn du weißt, dass du eine Straftat vor hast, sind die Fahrzeuge zu auffällig“, mutmaßte Yannick.

„Es gab also einen Mann, der Rebacca spät abends  besuchte und nicht von hier kam… Hatte sie Verbindungen zu jemanden auf den Dörfen?“

„Wissen wir nicht.“

„Dann mach dich schlau. Ich muss noch ein Telefonat führen“, meinte Tanja als ihr grade Dorf und Jens durch den Kopf schoss. Vanessa wäre stolz zu wissen, dass Tanja sich doch noch um den Kindesvater kümmern würde.

Tanja ging ins Nebenbüro und suchte nach der Nummer von damals. Eine kurz angebundene, hohe Frauenstimme nahm ab.

„Polizeirevier Schwerin in Brandenburg. Was kann ich für sie tun?“

„Kommissarin Tanja Richter…“, Tanja zögerte. Es war ja privat, da ist Verbeamtung nicht der beste Aufhänger, oder?!

„… ich hätte gerne Jens Lehmann gesprochen, wegen dem Vermisstenfall Paco Fäßl“ – Warum eigentlich nicht?!

„Herr Lehmann ist nicht da“, wurde knapp geantwortet.

„Wann ist er wieder zu erreichen? Oder kann ich ihnen meine Nummer geben?“

„Darüber kann ich ihnen keine Auskunft geben.“

„Na hören Sie mal…“, Tanja kochte auf einmal als hätte ihr jemand ins Gesicht geschlagen.

„… sie kleine unwichtige Sekretärin ohne Verbeamtung… spielen sich hier auf als wären Sie die Größte überhaupt…“, Tanja brüllte und heulte und maulte.

„Haben Sie sich beruhigt?“, fragte die Stimme seelenruhig als Tanja Luft holte.

„Nein, ich will den Vater meines Kindes sprechen.“ Tanja sah auf einmal Vanessa im Büro stehen, Faust auf Handfläche klopfen und sagen: Vogel abgeschossen.

Stille war auch auf der anderen Seite der Leitung.

Ein kurzes Räuspern und der Satz: „Ich werde es meinem Mann ausrichten“, beendete das Telefonat. Tanja hörte nur noch das Piepsen der gekappten Leitung.

Sie wusste gar nicht wie lange sie einfach nur da stand und den piepsenden Hörer am Ohr hielt. Tanja schaute auf einmal nach oben und sah Daniel in der Tür stehen.

„Darf man dich wieder ansprechen oder reißt du mir dann den Kopf ab?“

„Kommt darauf an, was du zu sagen hast“, antworte tanja und ließ sich auf den Stuhl hinter ihr fallen.

„Rebacca Schneider hieß eigentlich Lisa Schröder.“

„Woher weißt du das?“

„Die Telekom hat mir den Telefonnachweis gegeben. Die Nummer, die Angerufen hat, gehört Katrin Schröder, der Mutter der Verstorbenen. Ich habe sie vorhin noch erreicht. Sie wollte ihre Tochter warnen, dass Lisas ehemaliger Verlobter Vincent van Hock wieder in der Stadt sei. Ich habe sie gebeten morgen vorbei zu kommen und sich die Fotos vom Tatort anzuschauen und noch eine Aussage für die Akten zu machen.“

„Interessant. Wissen wir wo sich Vincent van Hock aufhält?“

„Oh ja, er unter staatlicher Aufsicht. Er wurde vor 3 Jahren bei einem Raub erwischt“, antwortete Daniel.

„Da schauen wir doch mal im Gefängnis vorbei“, meinte Tanja und stand auf.

 

„So, Herr van Hock, wie war denn ihr Verhältnis zu ihrer Verlobten Lisa Schröder?“ Fragte Tanja.

Auf der anderen Seite des Tisches saß ein dicker Mann dessen fettige schwarze Haare zu den Schultern reichten.  Er antworte nicht auf die Frage. Er zuckte nur mit den Schultern.

„Warum trennte sich Lisa von ihnen?“ Fragte Daniel nach.

„Ich trennte mich von ihr“, meine van Hock und klemmte eine Haarpartie hinter sein Ohr.

„Warum?“

„Weil sie schwanger war… .“

„Das ist ein super Trennungsgrund“, meinte Tanja.

„Ich bin zeugungsunfähig. Röteln mit 21. Ich ziehe nicht das Kind eines anderen Mannes auf. Schon gar nicht von so einem neureichen Arzt.“

„Was für ein Arzt?“ Fragte Daniel.

„Irgendein Arzt. Ich glaub, ihr Frauenarzt. Der hatte eine Praxis bei Grünersdorf. Lisa wollte ein Kind egal wie und ich mir war es egal. Kann ich jetzt wieder in meine Zelle gehen?“ Van Hock verdrehte die Augen und machte eine Geste zum Wärter.

„Danke, keine weiteren Fragen“, meinte Tanja und nickte auch zum Wärter. Van Hock stand auf und ging.

„Ein Arzt aus Grünersdorf. Wie viele Tarifzonen sind das beim Stadtverkehr?“ fragte Tanja Daniel.

„2“, meinte Daniel und lehnte sich zurück: „vielleicht können wir bei der Ärztekammer was rausbekommen. Und vielleicht hat auch Yannick schon was von Kubik erfahren.“

 

Fortsetzung folgt…