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Tanja, die voll auf Hormon ist, bekommt es mit einem ungelösten Fall zu tun… Kann sie diesen nach so vielen Jahren noch lösen?!

Tanja kraulte geistesabwesend das Ohr  von Vanessas Katerchen und schlürfte hörbar ihren Cappuccino.

„Du bist auch so jemand, der hörbar aus einem Strohhalm trinkt, oder?“

Tanja schaute hoch, hatte aber die Frage nicht wirklich gehört.

„Was hast du gefragt?“

„Oh, es spricht…. Hast du den zukünftigen Vater erreicht?“, fragte Vanessa und schaute Tanja gespannt an.

„Ich mein, jetzt wo wir die 14 Woche haben, wäre es doch eine gute Idee mit den wichtigen Dingen der Schwangerschaft anzufangen: Elternzeit, Kindergeld, Vaterschaftsklärung, Hebamme, Geburtshaus… klingelt da was bei dir?“

„Ich dachte eher so an: Bettchen und Windeln kaufen“, Tanja versank kleinlaut hinter der Tasse. Vanessas Kater erkannte die Situation und ging lieber in einen anderen Raum.

„Tanja, den Hausbau beginnt man nicht mit dem Dach sondern mit dem Fundament.“

„Das ist ein Kind.“

„Das ist eine 20 Jahre lang anhalten Zukunftsinvestition. Es braucht Planung und Sicherheit.“

Planbar und Sicher waren die grundlegenden Eigenschaften von Vanessa. Da sie mit ihren Panikattacken so selten wie möglich das Haus verlässt, muss aber alles ganz genau ablaufen, wenn die Wohnung mal verlassen wird.
Tanja war ja dagegen froh überhaupt ihr Auto auf der Straße wiederzufinden.

Tanja dachte wirklich angestrengt nach, wie sie die Frage nach Langzeitplanung kontern könnte. Eigentlich verdrängte sie die Sache mit Jens Lehmann. Was sollte sie auch sagen? Hallo, hier Tanja, die Ermittlerin, die 2 Tage im Dezember da war und gleich mit dir ins Bett gegangen ist. Ich wollt nur sagen, ich bin Schwanger. Darf ich dich beim Jugendamt als Vater angeben? Das würde ein tolles Gespräch ergeben, das war Tanja klar.

Glücklicherweise, grade als sie Vanessa diese Frage stellen wollte, klingelte ihr Handy. Tanja hob kurz den Finger und griff nach dem Telefon.

„Richter.“

„Hallo Tanja, hier ist Susanne. Limbach Susanne. Wir waren zusammen im Abitur. Weißt du noch?“

„ Ja, natürlich kann ich mich an dich erinnern. Ist aber schon ein Weilchen her, dass wir telefoniert haben.“

„Ja, ich hatte viel zu tun. Ich hätte da auch eigentlich eine Frage zu einem Mord. Können wir uns treffen?“

„Ja, wann hättest du Zeit? Heute noch?“

„Wenn es möglich wäre. Ich habe noch einen Gerichtsprozess, aber ich denke ab 17 Uhr. Bist du in der Nähe vom Sozialgericht unterwegs?“

„Ich brauch etwa 15 Minuten zu Fuß dort hin und so lange. Kann ich hier noch aushalten. Dann wart ich ab 17 Uhr in der Cafeteria vom Gericht.“

„Danke, Tanja. Du bist meine Rettung. Bis Später.“

„Tschüss und bis dann.“

Tanja legte auf und erzählte Vanessa von dem kurzen Gespräch. Susanne hatte nach dem Abitur Psychologie studiert. Tanja wusste nicht, warum Susanne etwas mit einem Mord zu tun haben könnte.

 

Tanja warte brav bis 17:20Uhr bis Susanne auftauchte. Susanne war ein Abbild von dem Model Angelina Kirsch und mindestens genauso stylisch unterwegs.

„Entschuldige, es hat länger gedauert als gedacht. Wie geht’s dir.“

„Gut, danke. Ist gar kein Problem. Es klang sehr dringend,“ deutete Tanja an um schneller zum Thema zu kommen.

„Ja, also, wo fange ich da an? Ich betreue einen Jugendlichen, der ist schon durch einige Pflegefamilien gegangen“, erzählte Susanne.

„Ok“, antworte Tanja gespannt, was da noch kommen mag.

„Er erzählte mir er habe noch Erinnerungen an den Tod seiner Mutter. Der Fall, glaube ich, wurde nicht gelöst und ich dachte, vielleicht hat er noch Hinweise für euch.“

„Wann war der der Mord?“ fragte Tanja vorsichtig.

„Rebecca Schneider wurde am 11.10.2004 erstochen aufgefunden“, antworte Susanne.

„Puh, da müsste ich mich schlau machen, wer den Fall hatte und ob der noch offen ist. Reicht es dir, wenn ich mich die Woche nochmal melde?“

Susanne war damit einverstanden und so erzählten sie noch eine ganze Weile so über alte Zeiten.

 

„Na wie geht’s dir?“, fragte Yannick.

„Gut, danke. Ich habe da was für uns“, antworte Tanja und warf eine braune Box auf den Tisch.

„Ein alter Fall? Haben wir Humboldts Zustimmung?“, Fragte Daniel.

„Ja, haben wir“, meinte Tanja kurz. Sie hatte ihren Chef direkt am Kaffeeautomaten abgefangen und damit überfallen. Eine Woche hat er ihnen gegeben um Steuermittel zu verschwenden, wenn dann nicht vorliegt, wird’s in den Keller gebracht.

Kurz und knackig präsentierte Tanja auch die Beweismittel von damals.

Rebecca Schneider, 23 Jahre, alleinerziehend mit einem Sohn, wurde am 11.10.2004 erstochen in der Küche ihrer Wohnung aufgefunden.

„Der Sohn, John Schneider, mittlerweile 17, war damals 4 Jahre und saß direkt neben der toten Mutter. Ich möchte ihn noch heute verhören.“

„Sucht Vanessa mit nach Informationen?“, fragte Daniel.

„Ja, macht sie grade, aber sie meinte 2004 gab es noch nicht so massig Sozialnetworking wie heute“, meinte Tanja.

„Tja, da waren noch alle Leute misstrauisch“, gab Yannick zum Besten und kramte in der Kiste. „Hier steht, sie hatte 2 Jobs. Tagsüber im Reformhaus neben dem Rathaus und nachts an der Bar einer Kneipe. Niemand schien die Kollegen befragt zu haben. Ich setze da mal an.“

„Kann kann mal schauen, wer in dem Haus gewohnt hat und vielleicht was gesehen hat“, meinte Daniel.

„Ok, nach dem Mittag will ich erste Erkenntnisse haben“, sagte Tanja und machte sich auf den Weg zur Pflegefamilie von John Schneider.

 

Es war ein 4 Parteienhaus. Nette Fassade und auch das Treppenhaus wirkte sauber als Tanja die Treppen hoch ging.

„Frau Richter?“ fragte eine leise Frauenstimme hinter einer Tür.

„Ja, das bin ich“, antworte Tanja und zeigte ihren Dienstausweis.

Die Tür wurde richtig geöffnet. Eine Frau mittleren Alters stand dahinter und stellte sich als Simone Kempe, die Pflegemutter von John, vor.

Sie bat Tanja ins Wohnzimmer und bot ihr Tee und Kekse an bis John von der Schule kam.

John, war ein dünner, verschüchterter Junge mit Brille und Zahnspange. Jemand der sofort das passende Opfer für Schulgangs ist. Tanja baute erst mal vorsichtig vertrauen auf bevor sie mit dem Mord anfing.

„Die Frau Limbach erzählte mir, du hast noch Erinnerungen an deine richtige Mutter“, warf Tanja nach einer Weile einfach so in den Raum.

„Ich weiß nicht, ob es meine Mutter in der Erinnerung ist. Ich erinnere mich an eine hellhaarige Frau, die blutend auf dem Boden liegt und weit aufgerissene Augen hat.“

„Was weiß du noch von diesem Moment?“

„Ich erinnere mich an eine tiefe Männerstimme, die sagt, dass es nicht soweit hätte kommen müssen“, John machte eine Pause bevor er weiter erzählte: „da war noch – ich weiß nicht was es war – es war wie eine kleine gelbe Holztafel.“ John zeigte etwas was so groß sein könnte wie eine Streichholzschachtel.

Tanja, hörte gespannt zu und überlegte, aber Sinn machte es keinen. Sie notierte sich alles in ihren kleinen roten Notizblock. Vielleicht weiß ja jemand anderes damit was anzufangen.

 

Fortsetzung folgt…