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Es ist jetzt gut 2 Jahre her, dass ich dem Steuerbüro den Rücken kehrte und ganz häufig fragen mich Bekannte: Warum ich gehen wollte. Die Antwort ist einfach, aber doch sehr lang…

Es gibt ja ganz allgemeine, aber sehr Aussagekräftige Dinge, die sagen: du hast den flaschen Beruf. Ja, es gibt sie und fallen auf, aber die meisten Menschen ziehen nicht die Notbremse (ich immerhin 3 Jahre auch). Lieber 45 Jahre leiden als in die Arbeitslosigkeit zu kommen.

9 TODSICHER Signale sind:

1. Langeweile

Wen man jeden Monat seinen 90 Mandanten hintertelefoniert und fragt, wo ist dies und wo ist das und warum hat das mit dem Umsatzsteuerausweis auf der Rechnung schon wieder nicht geklappt – das hatten wir doch erst letzten Monat das Gespräch…
Kennt ihr das, wenn man die Augen verdreht, weil man das Gleiche immer wieder macht?!
Und danach? Man macht das Archiv, putzt die Fenster, gießt die Blumen – alles Dinge, die nicht zum Job gehören, aber erkläre dem Chef, dass man grae keine Aufgaben hat… dann müsste man ihm auch erklären, warum er einen eingestellt hat

2. Überforderung

Ja,  und dann noch diese Tage, die sich eigentlich über Monate hinweg ziehen: Weil das Büro unterbesetzt ist (Kündigungen und Krankschreibungen), muss noch das gemacht werden und das gemacht werden und vergessen sie nicht die Berichte zu binden und könnten sie sich noch um die Post kümmern und weil sie eh an der Bank vorbei fahren, können sie mir morgen meine privaten Kontoauszüge mitbringen… Wenn der Chef einem so kommt und selbst erst 9:42Uhr erscheint -> da schaut man traurig, wütend und entnervt auf seinen Überstundenzettel… und dann überlegt man sich: Ich hätte die Zeit gehabt, wenn ich nicht 90 Mandanten hinterher telefoniert hätte, wo denn ihr Zeug abgeblieben ist… Langeweile und Überforderung können auch zusammen auftauchen.

3. Der Chef ist ein Arsch

Vielleicht – vielleicht auch nicht, aber wenn er private Probleme hat und diese mit auf Arbeit bringt oder noch besser: seine Arbeit ist sein Problem. Dann kann man sich darauf einstellen, dass das Klima zeitlebens zwischen der Saharahitze und der Sybirischen Kälte variiert.

4. Man ist so in den Job reingeraten

Ja, wenn die Mama gut zuredet, dass Zahlen einem doch liegen… nein, ich hätte niemals auf meine Mutter hören dürfen – zumindestens nicht wenn es Steuerbüro oder Anwaltskanzleien geht.
Welchen Beruf man ausübt, sollte jeder Mensch selbst entscheiden.

5. Das Geld motiviert

Ich dachte mir 3 Jahre lang: Mein Gehalt ist Schmerzensgeld. Geld sollte NIEMALS ein Grund sein -> und NIEMALS sollte man alles für Geld tun.
Wenn jemand seinen Körper für Geld verkauft, schütteln Millionen von Mensch den Kopf, aber für Geld seine Gesundheit und seine Nerven zu ruinieren ist bei den meisten vollkommen in Ordnung.
Ist es wirklich Ok, wenn ich ein 1 Jahr lang Burn Out habe oder über Jahre hinweg Antidepressiva nehme?!

6. Man wartet nur noch auf das Wochenende

Ich hatte so eine Spruch-Tasse mit dem Spruch: Halte durch – bald ist Freitag. Die hat das ganz gut auf den Punkt gebracht.
Wie sagte Konfuzius: Wähle einen Beruf, den Du liebst und du brauchst keinen Tag mehr in deinem Leben zu arbeiten.
Ergo: dann warte ich auch nicht aufs Wochenende.

7. 0% Anerkennung

Ja, man bekommt als Erwachsener kein Bienchen ins Hausaufgabenheft und Schokoriegel, wenn man das Seminar besucht hat, wozu der Chef selbst keine Lust hat, aber ein DANKE sollte nicht zuviel verlangt sein… vor allem, wenn man mehr macht als die Stellenbeschreibung auslegt – dazu gehört es, dem Chef die Kontoauszüge hinerher zu tragen und ihn an seine Termine zu erinnern.
Im übrigen möchte man nicht hören, wenn man einen Krankeschein bringt und trotzdem arbeitet, dass hätte man schon mal schneller gesehen. Äh… man hätte auch gar nicht kommen brauchen…

8. Man muss sich aus dem Bett quälen

Eigentlich ist das die Folge von : Langeweile + Überforderung + blöder Chef + keine Anerkennung + ich stehe gar nicht hinter dem, was ich eigentlich mache.
Ich sage da nur: Hallo, Burn Out, nett dich ennen zu lernen.

9. Man fragt sich: Warum mach ich das überhaupt?

Man man sich diese Frage stellt, ist alles schief gelaufen. Wenn man sich die Frage in seiner Beziehung stellt, kommt darauf meistens die Trennung… mal so als Denkanstoß.

 

Ja, auch bei mir hat’s gedauert und ich habe die Ausbildung auch zu Ende gebracht, aber… ich hatte die Erkenntnis: Dieser Beruf ist nichts für mich.
Niemals hätte ich da noch den Arbeitsvertrag für die Festanstellung unterschrieben – dann lieber doch die Hand abhacken.