Schlagwörter

, , ,

Wer ist Opfer und wer ist Täter? Ist es wirklich so eindeutig wie man glaubt?

„Was haben wir?“ fragte Humboldt.

„Als ich mir vorgestern den Garten und die umliegende Umgebung anschaut habe, habe ich ein Erdloch entdeckt. Neben dem… ich nenn es jetzt mal Grab lag eine Schaufel. Die habe ich der Spurensicherung mitgegeben. Bisher wurden keine DANN-Spuren oder Fingerabdrücke darauf gefunden“, antworte Yannick.

„Bei meinen Recherchen zu der Bundeswehrakte, habe ich die Zahnunterlagen bekommen und zu Dr. Brumm geschickt. Die Analyse hat ergeben, dass es sich bei dem Getöteten um Oberleutnant Steven Zimmert handelt“, erklärte Daniel und ergänzte noch: „sein Vorgesetzter merkte an, dass Steven Zimmert ein paar Einträge in seiner Akte gesammelt hätte. Um nicht zu sagen: der Vorgesetzte war ganz froh ihn nicht mit in Syrien zu haben.“

Humboldt nickte weiße und schrieb fleißig auf seinem Whiteboard, die Erkenntnisse der letzten Tage nieder. Er drehte sich um und schaute Tanja an.

„Ja, nachdem Daniel mir gestern Abend von den Ergebnissen der Identifizierung erzählte habe ich potenzielle Freundinnen des Opfers ausfindig gemacht. Luise Fischer und Melanie Schneider gaben beide am Telefon an mit Steven Zimmert verlobt zu sein. Ich habe sie beide für heute Nachmittag ins Polizeirevier geladen.“

„Haben sie recherchiert oder sollte ich ihren Lohn an Frau Thuns Konto überweisen?“, Fragte Humboldt, während er die Frauennamen in das Board schrieb.

„Das ist Teamarbeit“, entgegnete Tanja.

„Wer ist Frau Thun?“, fragte Yannick leise zu Daniel und Tanja.

„Meine Freundin“, antworte Tanja

„Das Genie für soziale Netzwerke“, bemerkte Daniel

„Die Einzige, die zu arbeiten scheint“, entgegnete Humboldt. „Wäre auch eine Idee für euch.“

 

Tanja, Daniel und Yannick kam grade aus der Kantine als sie in einen heftigen Streit zwischen zwei Frauen und der Annahmekraft im Foyer gerieten. Eine Frau mit rotem Bob schlug auf eine blondhaarige dünne Frau ein. Die Annahmekraft schrie etwas von, sie sollen sich benehmen, sie seien schließlich bei der Polizei, was Tanja zum Schmunzeln brachte. Daniel schnappte sich die rothaarige Frau und zog sie weg. Was allerdings dazu führte, dass die Blondine ihre Handtasche nahm und der Rothaarigen und Daniel über den Kopf zog. Yannick hielt die Blondine daraufhin fest.

„Wer sind sie überhaupt“ fragte Tanja.

Die Annahmekraft deutete auf die blonde Frau und ergriff das Wort: „dies ist Frau Luise Fischer, sie sollte heute wegen ihren Verlobten Steven Zimmert erscheinen…“

„Er ist mit mir verlobt. Du nutzloses Flitchen“, tobte die rothaarige Frau, die dann wohl Melanie Schneider war.

„Jungs, jede von ihnen in einen Verhörraum“, entschied Tanja.

 

„Ich hoffe, das Schwein ist tot, oder ich erschieß ihn selbst. Wissen sie wieviel ich in ihn investiert habe.“ Melanie Schneider kochte vor Wut.

„Das glaub ich ihnen sofort“, entgegnete Tanja

„Wann haben sie Steven das letzte Mal gesehen“, fragte Daniel.

„Vor drei Monaten. Zwei Tage bevor er nach Syrien flog. Wurde er von Rebellen erschossen?“

„Nein, also wissen wir wissen noch nicht woran er starb. Wie kommen sie auf Rebellen?“ fragte Tanja nach.

„Syrien. Krieg. Aufstände. Klingelt da bei ihnen nichts?“

„Er wurde tot in seinem Haus aufgefunden“, meinte Daniel, dem jetzt der Fehler bei der Sache auffiel.

„Wohl kaum, ich habe Briefe von ihm bekommen. Er hat mir geschrieben, wie es da unten mit unseren Soldaten aussieht.“

Tanja schaute zu Daniel, der genauso verwundert Tanja anschaute.

„Entschuldigen sie uns einen Moment“, sagte Tanja und stand auf. Ihr wurde leicht schwindelig.

Während sie den Raum verließen, meinte Daniel, sie solle mal zum Arzt gehen.

„Mir fehlt nichts“, lautete die launische Antwort.

„Yannick, hat Frau Fischer noch was gesagt?“, fragte Daniel.

„Außer, dass sie und Steven eine spirituelle Verbindung hätten, sie seelenverwandte sind und ihr Herz es spüren würde, wenn er tot sei? Nein, bisher noch nichts“, antworte Yannick.

„Wann hat sie Steven das letzte Mal gesehen?“, fragte Tanja.

„Einen Tag, bevor er nach Syrien fliegen sollte.“

Tanja stürmte an Yannick vorbei in den zweiten Verhörraum, wo Luise Fischer saß, und fragte: „Wo hielt sich Steven Zimmert zuletzt auf?“

„Na in Syrien natürlich“, kam als Antwort. Frau Fischer öffnete ihre Handtasche und holte einen Stapel Briefe hervor. Die alle samt aus Syrien stammten.

Tanja, Daniel und Yannick beratschlagten sich auf dem Flur.

„Wir brauchen auf jeden Fall Fingerabdrücke und DANN-Proben von den beiden. Sonst kommen wir bei der Tatortanalyse nicht weiter“, meinte Yannick.

„Ich werde nochmal mit Zimmerts Vorgesetzten sprechen, ob er weiß, wie es zu dem Briefwechsel gekommen sein könnte.“, warf Daniel in den Raum.

„Ok, Yannick, du mit die Erkennungsdienstliche Behandlung und schickst die Damen dann weg. Einzeln, wohlbemerkt. Ich fahr zur Gerichtsmedizin und schaue, was wir bisher haben“, meinte Tanja und ging los.

 

Dr. Brumm schaute auf, als Tanja gegen den Autopsietisch taumelte.

„Sie sehen nicht gut aus“, meinte Dr. Brumm.

„Mir ist nur etwas übel.“

„So langsam, sollten sie sich aber an den Anblick von Toten gewöhnt haben.“

„Das ist es nicht.“

„Was ist es dann?“ Harkte Dr. Brumm nach.

Tanja wusste keine Antwort und entschied sich das Thema zu beenden.

„Seit wann ist Steven Zimmert tot?“

„Etwa seit 90 bis 100 Tagen. Du den Frost im Dezember schwer zu sagen, aber von Grad der Mumifizierung kommt das in etwa hin“, antworte Dr. Brumm.

„Woran ist Herr Zimmert gestorben?“

„Erstickt, weil er begraben war. Er hatte zwar eine Verletzung am Hinterkopf, aber die wäre nicht tödlich gewesen. In Mund- und Rachenraum dagegen waren Partikel von dem Erdreich zu finden.“

„Dann haben wir also gar nichts?“ fragte Tanja entäuscht.

„Wir haben viel. Wir haben DNA von drei verschiedenen Frauen. Vor Allem an der Unterwäsche. Das Labor kann dir da mehr sagen.“

„Drei Frauen? Das nenn ich mal ordentlich“, entgegnete Tanja. „Ok, Yannick wird zwei DNA-Proben ins Labor schicken. Ich muss los.“

„Ach Tanja, machen sie doch sicherheitshalber einen Schwangerschaftstest, wenn sie schon nicht zum Arzt gehen. Das geht ja schon etwas länger als eine Magen-Darm-Grippe.“

Tanja drehte sich beim Rausgehen nochmal um und schaute schockiert Frau r. Brumm an und verschwand ohne ein Wort zu sagen. Was sollte denn das, dachte sich Tanja und ging wieder ins Büro.

 

Als Tanja ins Büro kam, sah sie Daniel und Yannick an einem Handy sitzend und lachend.

„Und hier, letzte Woche beim Füttern hat sie ‚PaPa‘ gesagt“, erzählte Yannick.

„Und du hast mich nicht angerufen.“

„Ihr seid ja richtige Klatschweiber“, meinte Tanja.

„Das sind einmalige Momente in der Entwicklung eines Kindes, Frau Richter“, entgegnete Daniel.

„Wie lief’s in der Gerichtsmedizin?“, fragte Yannick nach und räumte das Handy in seine Jackentasche.

„DNA von drei Frauen auf der Unterwäsche sicher gestellt.“

„Drei? Wir hatten nur zwei bei uns“, sagte Daniel.

„Steven Zimmert müsste ungefähr seit 100 Tagen tot sein. Das müsste dann ziemlich genau der Tag sein, wo er sich bei seinem Vorgesetzten hätte melden müssen.“

„Ok, ich check mal die Anrufe um den Tag herum“, meinte Yannick und setzte sich an den Rechner.

 

Fortsetzung folgt…