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Heute noch das Ende.. Ich hoffe es hat euch wieder gefallen.

Der Raum war kalt und die schwache Morgensonne, die Tanja aufs Gesicht schien nicht, noch lange nicht wärmend. Tanja öffnete die Augen. Ihr Atem flog wie Nebelschwarten nach oben. Es war tatsächlich sehr kalt.

Sie erinnerte sich langsam an die letzte Nacht zurück. Auf einmal fühlte es sich falsch an, was sie getan hat. Tanja schreckte hoch. Ein Geräusch. Tanja erhob sich, schaute sich um und ließ sich ins Bett zurück fallen, sodass ihre langen roten Locken den gesamten oberen Teil des Bettes ausmachten. Die Dusche. Man hat ja Besuch mitgebracht, Frau Richter, dachte sich Tanja. Das Wasserrauschen endete und es dauerte nicht lange bis ein sehr gutaussehender Jens Lehmann am Bett stand.

„Die Dusche ist gewöhnungsbedürftig. Jetzt weiß ich auch, warum meine Schwester das letzte Mal auf Gästezimmer bestanden hat“, meinte Jens und fuhr gleich fort: „ ich hoffe, du kommst mit Katzenwäsche. Die Spurensicherung hat was für uns.“

Tanja war erleichtert, dass der Berufsalltag gleich wieder weiter ging, ohne dass man sich über letzte Nacht unterhalten muss. Sie sprang quasi aus dem Bett, sammelte nackt ihre Kleidung vom Boden zusammen und ging unter die Dusche. Eiskalt, glasklar, aber wirklich nur Wasser. Die Dusche war eine Zumutung.

Als Tanja wieder aus dem Bad kam, war von Jens nirgends was zu sehen. Sie verließ das Gasthaus und fand ihm in seinem Wagen sitzend vor. Wie hatte der Mann das gemacht. Ihr und sein Wagen standen beim See. Hatte sie trotz Kälte so lange geduscht, dass er seinen Wagen holen konnte? Oha.

Tanja stieg in den Wagen.

„Auf den Rückweg lass ich dich dann bei deinem Auto raus, ok.“

Tanja nickte nur und Jens fuhr zur Polizeidienststelle.

„Wollten wir nicht zur Spurensicherung?“ Fragte Tanja

„Die Labore und Büroräume sind bei uns im Keller und der Garagenhof mit Kfz-Werkstatt auf der Rückseite gehört auch uns… bzw den Leuten von der Spurensicherung“, antworte Jens.

Tanja und Jens stiegen aus, liefen um das Polizeigebäude und fanden ihren ‚abgetauchten‘ Wagen in einer Garage mit Hebebühne.

„Alfred Miiller“, sagte ein Mann direkt neben Tanja. Tanja schaute auf und zuckte ein wenig zusammen. Der Mann sah dem Albino aus dem Film Illuminati zum Verwechseln ähnlich. Groß blaß, weiße Haare und Augenbrauen sowie eisblauen Augen.

„Müller?“, fragte Tanja nach.

„Nein Miller mit i. Meine Mum war mit einem Amerikaner verheiratet“, sagte Miller.

„Und, was wolltest du uns zeigen, Alfi?“ Hackte Jens ein.

„Oh, kommt mal mit“, sagte Miller und ging zum Wagen.

Die Gesamte Innenausstattung war auseinander genommen. Tanja traute ihren Augen nicht. Im Gestell der Türen war ein weißes Päckchen an dem andren dran.

„Was ist es?“ Fragte Tanja

„Koks.“

„Wie viele Päckchen sind das?“

„50 oder 60kg könnten zusammenkommen, aber das muss noch gewogen werden. Ich kann euch jetzt schon sagen, dass das gewerblich gedacht war.“ Miller lächelte verschmitzt. „Ich gebe die Unterlagen an ihre Dienststelle weiter.“

„Danke“, sagte Tanja. „Das ist natürlich weitaus mehr, als nur Autodiebstahl.“

„Hatte dein Vermisster mit Drogen zu tun?“ Jens schaute Tanja erwartungsvoll an.

„Nein, nur Diebstähle. Und bevorzugt PKWs. Das passt nicht.“

„Dafür war der Tote schon aktenkundig, wenn ich das mal so in den Raum werfen darf“, setzte Miller an.

„Ihr wisst schon, wer es ist?“, Fragte Jens: „das ging ja mal wirklich schnell. Wen haben wir den gefunden?“

„Toni Nahle, 39 Jahre, bei Dresden geboren. Begann seine Karriere bereits mit 16. Da war es aber eine Schlägerei unter Drogeneinfluss. Später immer wieder Besitz und schließlich auch verkauf. Dank unserer überfüllten Vollzugsanstalten immer wieder Bewährung“, fasste Miller zusammen.

„Hmm, jetzt ist er tot. Und wir wissen nicht, ob jemand mitgefahren ist.“ Tanja schaute missmutig auf die Päckchen in der Fahrertür.

„Nicht ganz. Das Wasser hat zwar viele Beweise vernichtet, aber es gibt Hinweise. Ich habe im Wagen eine angefangene Cola Flasche und eine angefangene Wasserflasche gefunden.“

„Er könnte Lust auf Abwechslung gehabt haben?!“ Meinte Tanja

„Würde ich dann eine von beiden Flaschen in das Türfach der Beifahrerseite stecken? Nein. Und außerdem waren zwei aufgeweichte Kaffeebecher in der Halterung. Und das Beste: Die Becher stammen von der Raststätte Am Kahlberg. Also nach Berlin waren sie noch zu zweit unterwegs“, Miller stand da, als würde ihm grade die Ehrenmedaille für besondere Leistungen verliehen. Wahrscheinlich war es die pure Freude den einen einzigen Mord/Todesfall pro Jahrzehnt in diesem Dorf gelöst zu haben.

„Paco könnte eventuell noch leben… oder tot im See schwimmen.“ Tanja war es schlagartig mulmig zu mute. Wenn niemals eine Leiche gefunden wird, macht man sich immer Hoffnung und hat bei jedem Leichenfund eine Angst, dass diese Hoffnung gleich zerstört wird.

Jens schaute Tanja an und meinte schließlich: „wir können nochmal nach Rettungseinsätzen schauen und die Krankenhäuser abtelefonieren. Wir sollten auch in Betracht ziehen, dass er durch die Strömung auf der andren Seite von der Autobahn getrieben wurde. Vielleicht weiß die Nachbargemeinschaft mehr als wir. Wir sollten rein gehen und alles Menschenmögliche versuchen.“

Gefühlt verbrachten sie Stunden mit rumtelefonieren und kaffeetrinken. Wäre Vanessa hier gewesen, hätten sie die Hälfte der Zeit gebraucht, dachte sich Tanja.

„ICH HAB WAS!“ brüllte Jens zu Tanja.

 

Stichpunkte:

Problem 3: Der Tote war als Autoschieber bei … angestellt und hat für … Drogen für ein Extrageld geschmuggelt

Schluss: Paco wird in der Psychiatrie gefunden, da er durch den Unfall an einer Amnesie leidet.

„In der Psychiatrie der Nachbargemeinde ist ein Mann mit Amnesie seit 2 oder 3 Tagen in Behandlung, die Schwester wusste es nicht genau, wann er eingeliefert wurde, aber die Beschreibung passt.“

„Wir müssen nachsehen.“

Die Fahrt dauerte eigentlich nur 15 Minuten, aber Tanja hatte an keiner einzigen Ampel mehr Geduld zum Warten.

Die Psychiatrie war eigentlich ein Kurkrankenhaus. Es lagen Mengen an Flyern rum, wie Depressionen und Essstörungen behandelt werden konnten. In der Ruhe der Natur wieder zu sich selbst finden und sich lieben lernen. Für Tanja schwer nachzuvollziehen, da sie beides nicht als Krankheit sondern als selbstgemachtes Problem ansah.

Jens sprach mit den anwesenden Schwestern. Eine von den drei Frauen sagte dann, sie sollen ihr folgen.

„… Er war klitsch nass und komplett unterkühlt als die Rettungssanitäter ihn brachten, aber euer Krankenhaus war ja voll belegt – bei 5 Betten kein wunder – und der Weg in den Nächstgrößeren Ort, war zu weit weg. Da er keine Papiere bei sich hatte und sich an nichts mehr erinnern kann, haben wir in erst einmal stationär aufgenommen. …“

Tanja war das Gespräch zwischen der Frau und Jens so ziemlich egal gewesen. Sie blieben vor einer Tür stehen. Die Schwester öffnete die Tür. Der Raum war groß und hell. Orangerote Gardinen hingen vor dem Fenster. Die Wände waren Sahnefarben und das Bettzeug Organe und rot gestreift. Von den Psychiatrien von Horrorfilmen war diese Einrichtung ganz weit weg. Der Mann, der m Tisch saß und rätselte, sah mitgenommen aus.

„Paco Fäßl?“, fragte Tanja, die den Bruder ihres Kollegen sofort erkannte.

Paco schaute sie an. Sein rechtes Auge unterlaufen und die Stirn hatte eine Platzwunde, wahrscheinlich als er auf die Armatur aufschlug.

„Der Name sagt mir was.“

„Das ist ihr Name. Ihr Bruder heißt Daniel Faßl und ihre Verlobte Carmen Rodriguez“, sagte Tanja in der Hoffnung da kommt etwas, doch Paco blieb stumm sitzen.

Tanja setzte sich auf den zweiten Stuhl.

„Ihr drei seid in die gleiche Schule gegangen.“

„Dani… der ging zwei Schuljahre unter mir. Ich kann mich nur flüchtig erinnern. Wo ist er?“

„Er ist Zuhause. Ich kümmere mich darum, dass er sie abholt, ok?!“

„Das wäre schön.“

Tanja veranlasste alles. Daniel und Carmen holten Paco nach Hause. Auch wenn seine Erinnerungen lange auf sich warten ließen und die Ereignisse unmittelbar vor dem Unfall für immer verloren schienen, freute sich Paco und Carmen auf ihr gemeinsames Kind. Paco nahm wieder die Arbeit bei Herrn Köhler auf.

Tanja und Jens traffen sich in diesem Jahr kein zweites mal.

Weihnachten und Silvester verbrachte Tanja dagegen bei Vanessa und ihrem ‚Freund mit ungeklärtem Geschecht‘, der sich als Martin vorstellte, und Vanessas Freundin Dani, die aus Leipzig mit ihrem Verlobten vorbei Schaute. Vielleicht mochte Vanessa ein Stubenhocker sein, vielleicht hatte sie Angstzustände, die Wohnung zu verlassen, aber Tanja erkannte über die Feiertage, dass Vanessa bei weiten nicht so einsam lebte, wie Tanja selbst.

 

Ende