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Und heute kommt der Schlussteil… schreibt mir doch mal in den Kommentaren, was ihr so von diesem Fall haltet.

Die Fahrt von Carmen Rodriguez zu Gerd Schräber waren schweigsame 15 Minuten. Schräber hatte sein ‚Büro‘  in einem Hinterhof. Im ersten Moment dachte Tanja, es handele sich bei Blatt-Immobilien um eine Briefkastenfirma. Keine Werbetafeln und nichts, was auch nur ansatzweise gesagt hätte: hier ist ein Unternehmen, was Kunden wünscht.

„Was  hältst du von den zwei Leuten an der Tür?“ Fragte Daniel.

„Viel Muskel, wenig Gehirn und komplett vertätowiert? Entweder Türsteher oder Geldeintreiber… aber auf jeden Fall niemand, den man auf der Feindesliste haben möchte“, antwortete Tanja. „Verstärkung?“

„Nein, wir haben doch nur eine Frage“, meinte Daniel und stieg aus.

„Privatgrundstück“, grunzte einer der beiden Türsteher.

„KriPo, wir wollten eine kurze Frage an Herrn Schräber loswerden“, sagte Daniel und zeigte seinen Ausweis. Tanja tat es ihm gleich und beide gingen hinein.

Das Büro hätte auch eine Fahrschule werden können. Groß mit Gummiboden und eine von vier Wänden hatte Fenster. Es fehlten nur die Tische und Stühle.

„Was wollen sie?“ Fragte jemand im hinteren Teil des Büros. Ok, Herr Schräber hätte auch Bordellbesitzer sein können, dachte sich Tanja, als sie dieses Saubermann-Lächeln sah.

„Kennen sie einen Paco Fäßl?“, fragte Tanja.

„Er war bei mir wegen des Flachbaus auf der Rosenstraße. Der Leihe würde sagen, dass es sich um eine Lagerhalle handle…“

„Hat Her Fäßl über die Finanzierung des Projektes mit ihnen gesprochen?“ unterbrach Daniel Schräber.

„Ja…“ Schräber machte eine übertrieben lange Pause bevor er weiter antwortete.

„Soziale Sachen und ohne Rücklagen; das ist bei Banken nicht so beliebt.“

„Und haben sie für ihre Kunden Empfehlungen, wie sich gewisse Restsummen finden lassen?“  Tanja machte keine Umschweife.

„Ich bitte sie, ich mache keine illegalen Geschäfte und ich vermittle auch sowas nicht.“

Kein Erfolg. Daniel und Tanja gingen, stiegen ins Auto fuhren eine Runde und warteten kurz vor der Einfahrt zum Hinterhof.  Die Türsteher machten sich auf den Weg und Daniel fuhr hinterher. Ein anderes Fahrzeug drängte sich dazwischen. Noch besser, denn dadurch waren Daniel und Tanja nicht direkt im Rückspiegel der zwielichtigen Gestalten. Hinter ihnen gab es Lichthube. Humboldt, den sie beim rausfahren verständigt hatten, fuhr hinter ihnen. Nach einer gewissen Zeit wechselten die Autos die Position. Unauffällig war das Wort der Stunde.

Nach einiger Zeit fuhren die augenscheinlichen Türstehen auf einen Autohof auf. Humboldt packte etwas hinter der Einfahrt. Daniel und Tanja fuhren fasst bis zur Ecke der Straße um das Auto abzustellen und gingen zu Humboldt.

„Ihr wisst, wem der Hof gehört, oder?“ Fragte Humboldt.

„Sollten wir?“ Fragte Tanja.

„Ja, der offizielle Besitzer ist Drogenbaron, Autoschieber und Zuhälter in einem“, antworte Daniel für Humboldt. Tanja schaute ungläubig zwischen ihren Kollegen hin und her.  „Heißt das, wir brechen ab?!“

„Börn Haberkorn und mich verbindet eine alte Feindschaft und viele ungeklärte Mordfälle. Wenn dein Bruder Geld geliehen hat, dann hat er wirklich Probleme. Wir warten ab. Der Geschäftsführer dieses Autohofes heißt Timo Fröbel. Die SoKo Auto will morgen einen Zugriff machen. Denen will ich nicht den Spaß verderben. Wenn alle festgenommen sind und im Verhör sind, schlagen wir zu.“ Humboldt telefonierte noch mit einem Kollegen. Tanja konnte Daniel die Unzufriedenheit ansehen. Das Familienmitglieder als befangen gelten, ist nicht ohne Grund so.

 

„Du siehst verstört aus, meine Liebe“, meinte Vanessa noch als sie Tanja umarmte. Tanja schnappte das rote Tigertier, rannte schnurstracks in Vanessa ihr Wohnzimmer und setzte sich aus Ecksofa. Vanessa schloss seelenruhig ihre Wohnungstür und holte aus der Küche zwei große Tassen Cappuccino.

„Also, ich weiß…“, sagte Vanessa und stellte die Tassen auf den kleinen Glastisch ab:“… dass die SoKo am Donnerstag – also vorgestern – den Zugriff auf den Autohof machte und ihr mit beim Verhör wart. Keiner von euch hat sich bei mir gemeldet und dies finde ich sehr verwerflich… wenn ich das mal so sagen darf.“

Tanja kuschelte immer noch mit Vanessas Katze bis sie schließlich ansetzte:

„Paco wollte sich 35.000€ von Fröbel leihen. Als Vertrauensbeweis fuhr er mit jemanden nach Holland und sollte ein Auto stehlen und ins Land bringen und noch falsche Papiere fertig machen. Frei nach dem Motto: wenn ich was in der Hand habe und du nicht rückzahlungswillig bist, dann kannst du nicht zur Polizei.“

„Hat Paco sich darauf eingelassen?“

„Ja. Das Auto – wohl bemerkt ein Auto für 106.000€ und einem Diplomatenkennzeichen – ist in Holland als gestohlen gemeldet.“

„Und sind sie nach Deutschland?“

„Hallo EU. Hallo offene Grenzen. Wir haben keine Kontrollen mehr. Schon vergessen?“

„Ok. Als erstes hätten sie andere Nummernschilder gebraucht. Diplomaten haben zwar gesetzlich Narrenfreiheit, aber es ist auffälliger als eine falsche Nummer“, schlussfolgerte Vanessa.

„Schnellster Weg ist hierher immer noch die A2 bis nach Berlin und dann runter die A13. Irgendwo dazwischen gibt es definitiv Kameras oder Unfallberichte…“. Vanessa hielt inne. „Auch Fröbel empfand ihre Abwesenheit als zu lang, oder?“ Tanja nickte stumm.

„Auweia.“

„Du sagst es. Irgendwas ist schief gegangen.“

 

Ende