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Und heute kommt der Schlussteil… schreibt mir doch mal in den Kommentaren, was ihr so von diesem Fall haltet.

„Die Nachbarn bestätigen Weiß Aussage. Iris Jørgensen wurde gut zwei Wochen lang nicht mehr gesehen. Sie ist seit Jahren 3 bis 4 Tage pro Woche nicht Zuhause. Als ich mit dem Hausmeister rein bin, war das Obst in der Küche verfault und es hat sich eine feine Staubschicht auf den Möbeln breit gemacht. Aus dem Bad habe ich eine Bürste mitgenommen und ins Labor gebracht“, Daniel legte alle Unterlagen auf seinem Schreibtisch verteilt hin.

Tanja hatte ihm von der gesamten Unterhaltung mit Weiß berichtet und war noch deprimierter als vorhin, da Daniel Weiß recht gab, was ihr verhalten anging. Zugern wäre sie zu Vanessa gegangen und hätte sich ausgeheult, aber Tanja wusste, dass auch von Vanessa die gleiche Antwort gekommen wäre.

„Bis wir den DNA-Abgleich haben, müssen wir wohl noch ein paar Tage warten“, meinte Daniel abschließend.

„Wenn es eine Straftat ist, dann ist der Täter in ein paar Tagen kaum mehr auffindbar“, erwiderte Tanja.

Daniel sollte recht behalten – der DNA Test ergab nach vier Tagen eine Übereinstimmung und ganz andere Erkenntnisse.

 

„Bei der Toten im Wald handelt es sich tatsächlich um Iris Jørgensen. Des Weiteren hat die Gerichtsmedizin herausbekommen, dass das Opfer mit einem Schaufelblatt erschlagen wurden ist“, Humboldt schlug die Mappe zu.

„Wie sollen wir einen Täter finden?“ fragte Tanja in die Runde. Ein Mensch ohne Familie, soziales Umfeld oder Feinde, wurde in dieser Gesellschaft noch nicht einmal ernsthaft vermisst.

„Wir schauen uns noch mal die Wohnung an. Wir lesen jeden Brief und jede Mail auf dem Computer. Unsere Spezialisten sollen den gesamten Verlauf durchschauen. Fordert die Telefonrechnung an. Wenn Iris Jørgensen kein zufällig gewähltes Opfer ist, dann ist es auch kein perfektes Verbrechen“, sagte Humboldt, nickte und ging. Sollten sich die Anderen einen Kopf machen, wer was macht.

Tanja ging grade hinaus auf die Straße als ihr Handy klingelte. Die Nummer kam aus Leipzig, aber Tanja kannte sie nicht.

„Richter“, sagte Tanja schroff.

„Schlechte Laune?“

„Vani! Was gibt’s?“, Tanja war etwas verblüfft. Hatte sie sich nicht in den letzten Tagen gewünscht, Vanessa besuchen und sich ausheulen zu können?!

„Ich hatte da so ein Bauchgefühl und mein Kopf hat mir bestätigt: es wäre sinnvoll mal anzurufen. Ist es grade ungünstig?“ Vanessa war typisch Logiker – nur der Kopf trifft richtige Entscheidungen.

Kaum hatte Vanessa diese alles entscheidende Frage gestellt, setzte sich Tanja auf die Ziegelmauer, ließ die Sonne auf ihr Gesicht schein, holte tief Luft und erzählte alles.

„Du verhältst dich atypisch“, meinte Vanessa abschließend.

„Was tu ich?“

„Du bist ein Gefühlsdussel… du redest bevor du denkst; du handelst bevor du die Konsequenz kennst; du entscheidest nach Gefühl… das meine ich. Du hast immer den richtigen Riecher, wenn es um Verbrechen geht. Was sagt dein Bauch zu diesen Fall?“

„Er sagt, wir sehen etwas nicht, ich weiß aber nicht was es ist.“

„‘keep calm and turn around‘“

„aha, und das sagt mir jetzt was?“ Tanja schaute gespannt auf den Boden. War das jetzt die Antwort vom Orakel von Delphi?

„Wenn sich jetzt alle um die Wohnung der Toten kümmern, solltest du zurück ins Büro und Computerrecherche betreiben.“

„Weil,…?“

„Voigt ist wegen Mord verurteilt wurden. Mord setzt voraus, dass eine Waffe mit an den Tatort gebracht wurde und die Tat von langer Hand geplant wird. Warum ist es nicht bei häuslicher Gewalt zu Todschlag verurteilt wurden?“

Tanja Augen weiteten sich: „Auf Grund von Zeugenaussagen – wahrscheinlich.“

„Sicherungsverwahrung oder Chance auf Hafterlass nach 15 Jahren?“

„Du… ich muss mich an den Rechner setzen“, damit legte Tanja auf und rannte wieder ins Büro. Auf halber Strecke rannte sie mit Daniel zusammen und schleppte ihn mit an den Schreibtisch.

Gut 10 Minuten später hatten sie den Augenzeugenbericht der damals 14 jährigen Iris.

„Also, haben sich die Eltern gestritten. Er hat zugeschlagen und sie hat ihm das Bügeleisen an den Arm gehalten. Daraufhin ist er raus gestürmt und hat vom Flur eine Schaufel, die bis dahin nie im Haushalt gesehen worden ist, reingeholt. Zack und tot“, fasste Daniel zusammen.

„Ja… laut Iris ihrer Aussage, aber eine Schaufel wurde nie gefunden“, grübelte Tanja.

„Iris ist mit einem stumpfen Gegenstand erschlagen wurden, der sich nicht am Fundort befand, aber laut Dr. Brumm durchaus eine Schaufel sein könnte.“

„Und er hat nach 25 Jahren, sprich vor 4 Wochen Hafterlass bekommen. Der Kreis schließt sich“, sagte Tanja zu Daniel. Dieser lehnte sich zurück.

„Aber, wenn Voigt vor 4 Wochen in die Freiheit entlassen wurden ist, wie hat er Iris gefunden, wann und wo hat er sie getötet – wenn er es war?“

„Durch seinen Anwalt“, antwortete Tanja spontan: „Voigts Anwalt hat Iris bestimmt mal bei dem einen oder anderen Fall als Gerichtshilfe gesehen. Das sagt er Voigt und Voigt geht hier zum Einwohnermeldeamt und sagt, er hätte berechtigtes Interesse die Anschrift seiner Tochter zu erfahren. Welche nette Frau vom Amt lässt sich als erstes das polizeiliche Führungszeugnis geben?!“

„ok, ich sag den Leuten von der Spurensicherung Bescheid, dass sie nach Blut in der Wohnung Ausschau halten sollen“, meinte Daniel und tippte auf seinem Smartphone rum: „ außerdem, sollen sich die Techniker um Voigts Kontobewegungen kümmern. Irgendwie muss er Iris erst mal in den Wald gebracht und einen Wagen wird er nach 25 Jahren wohl kaum mehr besitzen.“

 

„Ok… ja, ich bin neugierig. Ihr habt gewonnen und nun raus mit der Sprache: Habt ihr Voigt?“, Vanessa schaute zwischen Tanja und Daniel hin und her. Daniel hatte die uneigennützige Idee Tanja und Vanessa zum Kaffee einzuladen.

„Wusstest du, dass eine forensische Lichtquelle ein spezielles Licht erzeugt, das eine starke Illumination mit optimalen Wellenlängen kombiniert. Durch diese Kombination werden verschiedene Arten von Beweisstücken fluoreszierend sichtbar gemacht. Dadurch konnten wir in Iris Wohnung den Tathergang rekonstruieren…“, Daniel holte sehr weit aus und Tanja wunderte es etwas, dass Vanessa, obwohl sie definitiv auf dem Gebiet der Spurensicherung bewandert war, nicht dazwischenredete.

„Auf jeden Fall hat Voigt, gleich nach Haftentlassung, die Schaufel von damals organisiert und, mit Geld aus einem Tankstellenüberfall, ein Auto gemietet. Die Adresse hatte er von der Einwohnermeldestelle herausbekommen – das haben die Überwachungsvideos bewiesen. Als Postbote getarnt hat er sich den Zugang zum Haus erschlichen. Wahrscheinlich hat er eine halbe Stunde gewartet bevor er direkt an Iris Wohnungstür geklopft hat. Als Iris die Tür öffnete – man erwartet ja schließlich einen Mitmieter – schubste Voigt sie in den Korridor zurück und schlug mehrfach auf sie ein.“

„Wieso kommt ihr darauf, dass er so lange gewartet hat?“ warf Vanessa ein, während sie die Kaffeesahne in ihre Tasse goss.

„Die Nachbarin, meinte es habe ein Postbote geklingelt, der aber nicht zu ihr in den ersten Stock kam und auch sonst nirgends geklingelt hat. Die Tür schlug erst wieder um 16Uhr“, fuhr Daniel fort.

„Er wickelte Iris in einen Läufer ein und brachte sie zum Auto und dann in den Wald. Mit ihrem Schlüssel ging er auch später noch einmal in die Wohnung wischte das Blut weg und nahm Bargeld mit. Die Schaufel haben wir gestern im Waldrand gefunden…“

„Du meinst unsere Leute von der Spurensicherung“, warf Tanja ein. Sie war langsam, aber sicher von Daniels Brunftverhalten genervt. Sie schaute zu Vanessa, die einfach nur die Achseln zuckte – frei dem Motto: Lass ihn doch.

„Ja, gut. Es waren die Leute von der Spurensicherung.“

„Und wo habt ihr Voigt gefunden?“ wollte Vanessa wissen.

„In seiner Wohnung in Dresden. Er hat die 3 letzten Wochen so gelebt als wäre nie etwas gewesen“, meinte Daniel zynisch.

„… aber die Gerechtigkeit hat gesiegt“, schloss Tanja den Gedanken ab.

 

Ende