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Und seit ihr schon gespannt, was passiert ist? dann will ich euch gar nicht länger aufhalten…

Tanjas Eindruck von der Familie Hill war im Großen und Ganzen gut. Seit  waren seit 18 Jahren verheiratet, Elise war ihr einziges Kind und durch gute finanzielle Planung ermöglichten sie sich ihre Träume von einer geräumigen Wohnung, jährlichen Urlauben und das ein oder andere Extra für die Tochter.

Jacob Humboldt hatte sich auf den Sessel gegenüber dem Zweisitzer, wo Herr und Frau Hill saßen gesetzt.

„Gab es Konflikte mit anderen Kindern oder ist ihnen in letzter Zeit eine gewisse Person aufgefallen?“ fragte Humboldt. Die Eltern schüttelten nur den Kopf.

„Fühlte sich Elise in letzter Zeit bedroht oder hatte sie Angst?“

Wieder nur ein Kopfschütteln. Die Mutter schaute kurz auf, biss sich auf die Lippe und sagte schließlich: „Sie hat den Geigenunterricht am Dienstag geschwänzt. Als ich sie zum Abendbrot danach fragte, gluckste sie rum – meinte sie sei bei Anna gewesen, aber da war sie nicht. Ich hatte bei den Glaßls angerufen. Sie wollte es mir partout nicht sagen. Sie sah aber auch nicht misshandelt aus. Eher wütend, weil ich nachfragte.“

„Glauben sie, sie wurde missbraucht?“ fragte Herr Hill.

„Nein, das denken wir nicht. Wir stehen am Anfang der Ermittlungen und gehen nur allen möglichen Spuren nach“, schwächte Humboldt den Verdacht ab, obwohl er ihn selbst in Bedacht zog.

„Kann ich mir das Kinderzimmer anschauen?“ fragte Tanja aus dem nichts heraus.

„Ja, sicher. Kommen sie mit. Ich zeige ihnen, wo es ist“, Frau Hill stand auf und ging in den Korridor und gleich durch die Tür auf der gegenüberliegenden Seite.

Tanja schaute sich um. Typisches Mädchenzimmer. Puppen und Pferde und Disney-Prinzessinnen, egal wohin man schaute. Auf dem Schreibtisch lagen Bücher, Stift und ein rosa-weißer Laptop.

„Können wir den Laptop mitnehmen? Nur für den Fall, dass Elise mit ihrem Entführer schon mal Kontakt hatte.“

„Ja, sicher“, Frau Hill war eigentlich gar nicht zu einer anderen Aussage fähig. Der Schock saß tief.

Mit dem Laptop untern Arm verabschiedete sich Tanja von Familie Hill. Humboldt blieb für den Fall der Fälle, dass doch noch ein Entführerschreiben kommt.

 

„Das Blut auf der Mädchentoilette ist von Elise selbst“, murmelte Daniel, während er sich Kaffee eingoss.

„Wie lief es bei der Psychologin?“, fragte Tanja frustriert rüber.

Daniel lächelte hämisch über Tanjas Monitorrand zurück. „Dr. Bachmann meinte, es gibt nicht besonderes über Elise zu berichten. Sie hat viele Ängste wie alle Jugendlichen, besonders ausgeprägt sind Versagensängste.  Die Eltern scheinen sich oft wegen ihrer Zukunft zu streiten. Soll sie Studieren oder nicht? Wenn, ja was? Müssen wir sie noch weiter fördern?
Dabei ist Elise eine ganz normale Schülerin mit guten und befriedigenden Noten.“ Daniel schüttelte den Kopf. „Anzeichen von Missbrauch gibt es nicht. Sie hat wenige soziale Bindungen.“

„Da kenn ich auch jemanden…“, Tanjas Gedanken trifteten grade zu Vanessa ab. Ob sie sich in das einsame Mädchen hineinversetzen könnte?

„Bist du schon mit den Daten vom Laptop weiter gekommen?“

„Nein, Es ist faszinierend, was sich die Kinder heutzutage per Computer mitteilen. Ich habe genug Mails und Nachrichten von diversen Messages, dass ich das gesamte Polizeigebäude tapezieren könnte.  Und ich hänge hier im Verlauf von Gestern rum…“, Tanja schaute zu Daniel, der mittlerweile um den Schreibtisch gelaufen war und mit in ihren PC schaute. Er klickte die Dateien, die von Elises Laptop auf den Polizeiserver gespiegelt wurden waren an und verschiebte sie in Tanjas Postfach. Als Empfänger setzte er V A an und klickte zu Vanessa weiter.

„Das darfst du nicht tun“, zischte Tanja.

„Ich tue gar nichts. Das ist dein PC“, meinte Daniel und klickte auf senden. „Vani ist soziophob und ein Computernerd – ideal um mehr zu sehen als wir.“

Tanja war bleich. „Ich bin sowas von geliefert, wenn das raus kommt. Seit wann sind Vanessa und du bei Namensabkürzungen angekommen?“

„Als ich sie im Lidl getroffen habe, hatte sie kein Veto gegen diese Abkürzung eingelegt.“

„Frau Richter. Herr Fäßl. Haben sie einen Moment?“ Die Frage kam von einer Frau, die im Erdgeschoß saß und Vorladungen verwaltete. Ihren Namen hatte sich Tanja in den ganzen Jahren nicht gemerkt.

„Was gibt es Nina?“ Fragte Daniel zurück.

„Hier ist ein Herr George Glaßl mit seiner Tochter Anna Glaßl. Sie hätte etwas im Fall Elise Hill zu sagen.“

„Dann sollen sie bitte reinkommen“, sagte Daniel.

 

„So, was wolltest du uns sagen, Anna?“ Tanja schaute gespannt das mollige Mädchen an. Blasse rosa Haut mit tausenden von Sommersprossen und dazu irisch rotes Haar. Tanja sah eigentlich in ihre jüngere Ausgabe und war froh, dass Schlimmste dank Make-Up und Haarfarbe zu vertuschen.

„Es gab da so einen Vorfall. So vor einer Woche“, Anna war sichtlich ängstlich.

„In unserer Klasse gibt es ein Mädchen, Liliana Cherkusza. Elise hatte ihr einen Streich gespielt um bei den coolen Mädchen der Klasse zu punkten“, hilfesuchend schaute Anna zu ihrem Vater.

„Was ist dann passiert?“ Fragte Tanja nach. Daniel schrieb währenddessen das Protokoll.

„ Lilianas große Schwester Violetta aus der 8a hat Elise am Montag auf der Mädchentoilette abgefangen und ihr in den Bauch geboxt, sie an den Haaren gepackt und in eine der Toiletten geschleift und ihren Kopf in die Kloschüssel gehalten, während sie die Spülung betätigte.“

Sprachlos schaute Tanja zwischen Anna, Herrn Glaßl und Daniel umher. Was war nur mit den Kindern von Heute los?!

Der Rest der Vernehmung hatte nicht weiter gebracht. Tanja und Daniel hofften, dass die Spezialisten oder Vanessa mehr Glück mit dem Laptop hatten.

 

Fortsetzung folgt….