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Heute könnt ihr das Ende meiner ersten Kurzgeschichte lesen. Die zweite Tanja Richter Geschichte ist auch schon durchdacht und wartet nur noch darauf geschrieben zu werden. Ich hoffe ihr seit so gespannt, wie ich 😉

„Deine Freundin hatte recht…“, Daniel ließ die Ordner auf Tanjas Schreibtisch  mittig auf dem Papierkram fallen, „… Rentenkauf. Der glückliche Gewinner heißt Ulrich Böhme. Er ist Dachdeckermeister und hat sich durch die Tischlerei von Dahlmann vergrößert. Und jetzt halt dich fest. Die beiden Männer teilen sich einen Steuerberater: Dieter Bleibtreu. Er hat sie quasi aneinander vermittelt.“

„Vielleicht weiß Vanessa auch was über Böhme. …“

„Nein, es werden keine unbeteiligten Dritten in den Fall hinzugezogen“, unterbrach Daniel Tanja.

„Aber…“

„Kein ABER. Wir schauen beim Dachdecker vorbei und zwar jetzt.“

Daniel und Tanja fuhren gut 30 Minuten bis sie den Dachdeckerbetrieb erreichten. Das Haus war runtergekommen. Putz fiel von den Ziegeln ab. Die Türe sah morsch aus. Das Dach war super gedeckt wurden. Wenn alle Mauern einbrechen, dass das Dach würde in der Luft stehen bleiben, dachte sich Tanja und schmunzelte vor sich hin.

Böhme war ein stämmiger Mann. Irgendwo zwischen Mitte und Ende 40.

„Fäßl, Kripo. Meine Kollegin Richter. Wir hätten da ein paar Fragen zu Roland Dahlmann“, Daniel steckte seinen Ausweis wieder in die Jackentasche zurück und schaute gespannt zu Herrn Böhme. Tanja wusste, dass Daniel sie filetieren würde, wenn sie sich in das Gespräch einmischt.

„Was ist mit Roland?“

„Er ist vor zwei Tagen ermordet worden. Wussten sie das noch nicht?“

„Nein, ich bin erst gestern Abend von der Messe in Köln zurückgekommen. Mord? Wäre nicht ein Herzinfarkt wahrscheinlicher gewesen?“

„Wann genau kamen sie zurück? Gibt es Unterlagen, die ihren Aufenthalt in Köln bestätigen können?“

„Gegen 19Uhr“, sagte Herr Böhme und drehte sich zu seinem Schreibtisch um, nahm ein Stapel Papiere, drehte sich zurück und hielt sie Daniel und Tanja entgegen. Tanja ergriff als erste den Stapel und begann zu blättern. Eine Eintrittskarte zur Messe, eine Rechnung über ein Einzelzimmer, und zwei Tankquittungen – eine von vor 4 Tagen und eine von gestern Nachmittag. Sie reichte die Unterlagen wieder zurück und nickte Daniel zu, der ihr eigentlich sowieso über die Schulter geschaut hatte.

„Wie kommen sie auf einen Herzinfarkt?“ fragte Daniel weiter.

„Die Herzprobleme waren allen bekannt und nach seiner Herzklappen-OP fiel er ja fast 3 Monate auf der Arbeit aus“, Böhme zuckte mit den Schultern.

Man tauschte noch ein Fragen und Antworten über das Woher-man-sich-kannte und Wie-lange-man-eng-befreundet-war aus und verabschiedete sich mit der Standartfloskel: Bleiben sie in der Stadt.

„Wusste deine Freundin von den Herzproblemen?“, Daniel schnallte sich an und ließ den Motor an.

„Nein, sie hat eigentlich noch nie mit mir über ihre ehemaligen Mandanten gesprochen“, antworte Tanja leicht irritiert.

„Vanessa kann also Leichen inklusive Blut sehen und weiß, was es mit der Verschwiegenheitserklärung auf sich hat. Ich glaube, ich sollte sie für die Kripo rekrutieren“, meinte Daniel während sie vom Parkplatz fuhren.

„Was meinst du damit?“

„Nur das sie besser geeignet wäre als du… Wir fahren sie besuchen.“

 

Bis sie bei der Bestattung ankamen redete Tanja kein Wort mehr mit Daniel. Sie spürte seine Abneigung. Als sie ausstiegen schloss Vanessa grade die Bürotür zu und lief die Treppe hinunter.

„Das ist sie?“ fragte Daniel Tanja. Vanessa schaute auf und sah erst Daniel und dann Tanja an. Tanja schaute von Daniel, dem sie eigentlich grade antworten wollte, zu Vanessa. Beide schienen sich schon non-verbal super zu verstehen. Tanja kochte innerlich – der Feind versuchte mit der besten Freundin Freundschaft zu schließen.

„Versuch gar nicht ihr die Hand zu geben. Sie ist phobisch auf andere Menschen“, schoss es aus Tanja.

„Dann sind sie Daniel Fäßl“, sagte Vanessa.

„Dann hat Tanja ihnen wohl schon alles erzählt?“

„Das sprudelt wie ein Springbrunnen aus ihr heraus“, antworte Vanessa freundlich. Daniel drehte sich zu Tanja und sagte: „Hatten wir das Thema nicht erst?!“

Tanja schaltete sich wieder ein: „Kennst du einen Ulrich Böhme?“

„Ja, er war ein Mandant. Warum?“

„Er hat Dahlmanns Firma gekauft und meinte dass dessen Herz-OP weitläufig bekannt war.“ Tanja schaute gespannt Vanessa an.

„Eigentlich hat es niemand gewusst, außer seine Familie und mein ehemaliger Ausbilder, der die Steuererklärung gemacht hat. Ihr wisst schon, außergewöhnliche Belastung und sowas.“

Daniel und Tanja schauten sich gegenseitig um sich einig zu sein: so etwas muss man nicht wissen – dafür gibt’s Steuerbüros. Eine sehr entscheidende Frage wurde jedoch beantwortet. Böhme konnte es nur von Dieter Bleibtreu, dem Steuerberater, wissen.

„Aber warum?“ Tanja dachte laut.

„Was warum?“ Daniel und Vanessa fragten zeitgleich. Tanja fand dies sehr unheimlich.

„Aber warum erzählt Bleibtreu Böhme, dass der alte Dahlmann Herzprobleme hat?“

Vanessa räusperte sich: „Nun ja, sooo alt ist Herr Dahlmann nun auch nicht. Mit 65 hat er noch nicht einmal das reguläre Rentenalter als Mann erreicht. Vielleicht hat er das in den Raum gestellt, um den Rentenkauf schmackhaft zu machen. Ich mein, wer will sich denn auf so einen Handel einlassen, wenn noch gut 15 bis 20 Jahre Lebenserwartung im Raum stehen.“

„Ok, aber Böhme hat ein Alibi“, mischte sich Daniel ein.

Tanja überlegte. „es kann aber auch sein, dass Böhme Bleibtreu eine „Provision“ versprochen hat, wenn er den Deal mit einem Todkranken einfädelt. Und jetzt wo der ganze Stress weg ist, erfreut sich Dahlmann bester Gesundheit und Böhme sieht sich betrogen und erpresst Bleibtreu.“

„Also fährt Bleibtreu zum Botanischen Garten, pflückt ein paar Blätter Eisenhut und tötet Dahlmann?“ Vanessa zog misstrauisch die Augenbrauen hoch. „ Eisenhut wirkt schon nach 10 bis 30 Minuten…“

„ Dahlmann wollte den Ordner vor dem Abendessen bearbeiten“, warf Daniel ein. „Also muss er den Ordner wohl an dem Tag bekommen. Entweder hat Bleibtreu ihn vorbeigebracht oder Dahlmann hat ihn abgeholt. Seine Frau müsste das wissen.“

Daniel und Tanja liefen zeitgleich Richtung Dahlmann Wohnung.

„Danke, Vanessa für deine Hilfe“, rief Tanja noch im vorbeigehen.

Tanja sollte rechtbehalten. Frau Dahlmann erzählte, dass Bleibtreu gegen 17:30 Uhr geklingelt hatte und den Ordner mit der Abschlussbilanz mitbrachte. Er brachte auch eine kleine Köstlichkeit mit, die seine rumänische Frau zubereitet hatte. Herzhafte Muffins oder so ähnlich, aber da Frau Dahlmann keinen Spinat mag, aß sie keine mit.

„Wir müssen mit Bleibtreu reden“, sagte Daniel zu Tanja. Sie nickte. Ihr erster Mord und sie würde erfolgreich sein.

 

„Nun sag schon, wie sah das Gesicht von meinem ehemaligen Ausbilder aus, als ihr ihn verhaftet ahbt?“ Vanessa stellte zwei Tassen auf den Glastisch vor ihrem Ecksofa. Eine Tasse mit Milchkaffee für sich und eine Tasse mit Cappuccino für Tanja. Tanja schmuste noch obligatorisch mit Vanessas Stubentiger. Sie genoss den Triumpf. Sowohl von der Verhaftung als auch der Aufmerksamkeit von Vanessa.

„Er war aschfahl geworden und hat wie eine Nachtigall gesungen… Wir sind ein gutes Team“, sagte Tanja schließlich.

„Das glaube ich gern. Mir kam da ja so einiges komisch vor.“

„Die Staatsanwaltschaft lässt alle Unterlagen nach weiteren Korruptionsfällen und zufälligen Todesfällen durchleuchten. Im Übrigen möchte Daniel dich sofort bei uns aufnehmen.“

Vanessa lächelte kühl. Unnahbar.

„Vanessa, bitte versprich mir, dass du niemals mit Daniel zusammen kommst. Es wäre furchtbar, wenn ich mit dir reden wöllte, an der Tür klingeln würde und der macht auf.“

„Du bist paranoid. Wir haben grade mal einmal  „Hallo“ gesagt und nicht einmal „Tschüss“. Du warst dabei und du siehst uns schon in einer gemeinsamen Wohnung.“ Vanessa brach in Gelächter aus.

„Hallo? Der nächste Fall kommt bestimmt.“

 

Ende