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Mein heutiges Buch bekam ich von meinem Gymnasium aufs Auge gedrückt, aber in Gegensatz zu Goethe, Schiller und Lessing, mochte ich dieses Buch sogar. Entgegen meiner Leidenschaft zu Zyklen und Serien ist dieses Buch mit der letzten Seite komplett abgeschlossen – neudeusch: Es ist ein One Shot.

Passender zu diesem Buch finde ich den zweiten Teil des Titels: „Wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann.“

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Die Produktbeschreibung sieht folgender Maßen aus:

 

Taschenbuch: 160 Seiten
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft; Auflage: ungekürzte Ausgabe (1. Januar 1976)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3423011505
ISBN-13: 978-3423011501

Der Klapptext/ In diesem Fall wirklich nur die Beschreibung hinten auf dem Buch:

„Am Mittwoch, dem 5.2.1975, am Vorabend von Weiberfastnacht, verläßt eine junge Frau von siebenundzwanzig Jahren abends gegen 18.45 ihre Wohnung, um an einem privaten Tanzvergnügen teilzunehmen. Vier Tage später, nach einer dramatischen Entwicklung am Sonntagabend um fast die gleiche Zeit – genauer gesagt gegen 19.04 – klingelt sie an der Wohnungstür des Kriminaloberkommissars Walter Moeding und gibt zu Protokoll, sie habe mittags gegen 12.15 in ihrer Wohnung den Journalisten Werner Tötges erschossen…“

 

Eine junge Haushälterin, 27 Jahre und anscheinend ganz hübsch, führt ein geregeltes Leben. Sie ist nicht arm, aber auch nicht wohlhabend – jedoch kann sie sich eine Eigentumswohnung und ein Auto leisten. Katharina  verliebt sich dann in einen gesuchten Verbrecher und verhilft ihm zur Flucht. Ab dann beginnt die Hetzjagd auf diese Frau. Indizien und vage Annahmen werden von der Presse schamlos aufgeblasen, Aussagen von Freunden und Nachbarn werden verfälscht oder so ausgelegt, dass Katharina auf jeden Fall schlecht dabei wegkommt. Die Situation eskaliert völlig als dann auch noch ihre schwerkranke Mutter wegen eines Interviews, das vom Journalisten Werner Tötges geführt wurde, stirbt. Als Katharina Blum letzten Endes feststellen muss, dass sie ihre Ehre für immer eingebüßt hat, erschießt sie den dafür verantwortlichen Reporter, Werner Tötges.

Heinrich Böll zeigt hier deutlich die menschenverachtenden Vorgehensweisen der Presse, insbesondere das Vorgehen der ZEITUNG. Die Massen, die einen, einmal gefangen, nicht mehr loslassen. Dem Leser wird einmal mehr deutlich gezeigt, was für eine gefährliche Mischung Vorurteile, unüberlegte Äußerungen und die Sensationsgier der Medienlandschaft darstellt.

Böll hat hier einen auktorialen Erzähler erwählt uns die Geschichte der K. Blum zu berichten. Dies geschieht  in 58 relativ kurzen Kapiteln, manchmal etwas trocken und schleppend, dafür des Öfteren aber auch mit trockenem Humor, welcher einem schon ganz bedacht mitteilt, auf wessen Seite Böll in diesem Buch steht und auch der Leser stehen wird.

Definitiv ist Die verlorene Ehre der Katharina Blum ein wichtiges Buch und aktuell, wie nie zuvor. Vor allem hinsichtlich der momentanen Terrorsimusdebatten. Auch wenn man heutzutage der Presse etwas kritischer  gegenübersteht, da man an deren Machenschaften schon leider gewöhnt ist. Ganz interessant auch das Nachwort vom Autoren selbst in dem er „Zehn Jahre später“ nochmals über das Buch und seine damalige Wirkung spricht und auch seine eigenen Ansichten preisgibt. Großartig. Lesen!