Ich hatte euch ja schon mal von meinem Soziologiestudium erzählt. Oder besser gesagt, einen kleinen Überblick in dieses Studiengebiet geschrieben.

Eigentlich hätte ich ja das Soziologiestudium noch weiter betrieben. Wenn man keine Anstellung findet, dann kann man es ja noch mit weiterstudieren versuchen, nicht?

Wäre auch gegangen, hätte die TU Chemnitz nicht so eine Bevorzugung von den naturwissenschaftlichen Fächern, wie Physik beispielsweise, und hätte noch ein paar Lehrstühle mehr besetzt.

Naja, nach einigen Praktikas und dem ganz, ganz guten Zureden meiner Mutter und vor allem dem Zureden meiner Oma („Mensch Kind, mach doch etwas Vernünftiges – etwas womit der normale Mensch etwas anfangen kann. Wenn du schon nichts Handwerklich-Praktisches machen willst, versuch doch einen Bürojob“) habe ich mich für den soliden, krisensicheren und verständlichen Ausbildungsberuf der STEUERFACHANGESTELLTEN entschieden.

Das war mit Abstand das Dümmste für das ich mich jemals in meinem Leben entscheiden konnte. Ja, ich bin der Überzeugung,, dass mir in den zukünftigen 50 oder 60 Jahren keine so große Sch**** über den Weg laufen wird.

Steuerfachangestellte sind die qualifizierten Mitarbeiter des Steuerberaters. Diese Fachkräfte unterstützen den Steuerberater bei der steuerlichen Beratung von Mandanten aus Industrie, Handel, Handwerk, dem Dienstleistungsbereich sowie von Freiberuflern und Privatpersonen. Die berufliche Tätigkeit ist damit entscheidend geprägt vom Aufgabenbereich des jeweiligen Steuerberaters oder der Kanzlei.

Steuerfachangestellte erlernen den Beruf in einer dualen Ausbildung. Der Azubi arbeitet ab dem ersten Tag in einer Steuerberaterpraxis mit und besucht parallel die Berufsschule. Die Ausbildung dauert drei Jahre und kann unter bestimmten Voraussetzungen verkürzt oder auch verlängert werden. In den ersten beiden Jahren gibt es 2 Berufsschultage und im letzten Lehrjahr einen Tag.

In den drei Jahren Ausbildung gibt es in der Theorie folgende Schwerpunkte:

    1. Steuerwesen
    2. Rechnungswesen
    3. Betriebswirtschaft
    4. Wirtschaftsrecht

In der Praxis will der Chef eher dies:

    1. Steuerwesen
      • Einkommensteuer
      • Umsatzsteuer
      • Gewerbesteuer
      • Körperschaftsteuer
    2. Erstellen der Finanzbuchführungen
      • Unterlagen auf Vollständigkeit überprüfen (ist ein Kassenbuch da, sind Rechnungen mitgegeben, Bankauszüge vollständig?
      • Geschäftsvorfälle zu einer ordnungsgemäßen Buchführung machen
      • vom Mandanten erstellte Buchführungen kontrollieren, bevor diese in den Jahresabschluss gehen
      • Jahresabschlüsse vorbereiten und gegebenenfalls erstellen – meistens ist dies Chefsache
    3. Erledigen der Lohn- und Gehaltsabrechnungen
      • Lohn- und Gehaltsabrechnungen erstellen
      • Arbeitnehmer bei den Sozialversicherungsträgern an- und abmelden
      • Lohnsteuerkarten und Versicherungsnachweise führen
      • Lohnsteuer, Kirchensteuer und Sozialabgaben berechnen
    4. Vorbereiten von Jahresabschlüssen
    5. Bearbeiten von Steuererklärungen
      • Einkommensteuer
      • Umsatzsteuer
      • Gewerbesteuer
      • Körperschaftsteuer
    6. Prüfen von Steuerbescheiden
    7. Auskunft erteilen an Mandanten
    8. Kopieren was das Zeug hält – hier sind wir noch ganz weit weg vom papierfreien Büro
    9. Posteingang- und -ausgang bearbeiten
    10. Akten, Register sowie Termin- und Fristenkalender anlegen und führen

Die meisten Azubis aus meiner Klasse entschieden sich für die Ausbildung, weil Mama und Papa reingequatscht haben, es viel Geld gibt, es ein krisensicher Job ist und weil man auch ohne Studium Steuerberater werden kann.

Meine gute Stephanie hat sogar gesagt (und jetzt haltet euch fest) sie hat Interesse an diesem Berufsbild – ha, sie war auch Klassenbeste.

Natürlich sollte man nicht nur auf das Gehalt und die potenzielle Karriere achten, sondern unbedingt auch Interesse an den Aufgaben im Auge behalten. Denn sonst wird man mit diesem Beruf nicht lange Freude haben.

Das Gehalt ist auch so ein Wunschgedanke. In der Ausbildung gab es in Sachsen fürs 1. LJahr 480€, fürs 2. Ljahr 520€ und im letzten Jahr 640€ brutto und dies war nur eine Kammerempfehlung. Als Kanzlei darf man ja noch 20% unter dieser Empfehlung sein.

Nach der Ausbildung hat mir mein Chef folgendes Angebot unterbreitet : 1.500,00€ brutto (ganz einfache Rechnung: 8,50€*40Stunden*4,33Wochen hat der Montat und dann wurde auf etwas glattes hochgerundet)

So ich denke, ich war ganz objektiv. Das ich diese Ausbildung gehasst habe war einmal mein Hang zum kreativen Chaos und zum Anderen meine doch alternative Lebenseinstellung ( 9 Piercings + gedehnte Ohrlöcher + komplett tätowiertes Bein + ich trage immer ein fröhliches Schwarz + regenbogenfarbene Haare = schlechte Laune vom Chef + absoluter Hass von dessen Ehefrau).

Jemand, der gewissenhaft Schritt für Schritt die Sache angeht, dem Mathe und Wirtschaft leicht gefallen sind und der den Mund halten kann, auch wenn ihm die Antwort vom Chef nicht passt, der kann es schaffen und auch ein zufriedenes Leben in diesem Beruf zu führen. Nach der Ausbildung kann die Reise zum Betriebswirt, Lohnbuchhalter und/oder Bilanzbuchhalter angetreten werden und danach (nach 10 Jahren) kann man sich dann genauso wie die BWL-Studenten für den Steuerberater anmelden. Und auch danach könnt ihr einen Schritt weiter gehen und Wirtschaftsprüfer werden -> dann gibt’s auch die dicke Kohle auf dem Konto… 🙂