Als ich mit dem Abi fertig war und mich für den Studiengang B.A. Soziologie einschrieb, wurde ich ja öfters gefragt (werde ich auch eigentlich heute noch viel mehr gefragt): Was das? Was hat dich denn dazu geritten? Und was macht man da so Schöööönes?

Soziologen beschäftigen sich mit gesellschaftlichen Prozessen und Strukturen. Wir hinterfragen warum nehmen Scheidungen zu oder warum verdienen Westdeutsche mehr als Ostdeutsche oder warum bekommen Mütter häufiger das Sorgerecht für die Kinder übertragen, obwohl sie keinen Deut besser sind als ihre Ex-Ehemänner.

Bachelor dauert in der Regel 6 Semester und das Masterstudium nochmal 4 Semester. Alle 37 Hochschulen in Deutschland haben verschiedene Schwerpunkte und können von Studieninhalt her weit auseinander gehen.

Die technische Universität Chemnitz zum Beispiel ist auf Familiensoziologie spezialisiert und führt seit einen Jahren eine eigene Pannelstudie über Partnerwechsel, Sexualkontakte, Familienalt, Kindererziehung und Scheidungen beziehungsweise Trennungen durch.

An allen Universitäten werden auf jeden Fall die Grundlagen vermittelt:

  • Soziologen und ihre Theorien
  • Empirische Sozialforschung
  • Sozialstrukturen
  • Politikwissenschaften

Für das Soziologiestudium sollte man ein gewisses analytisches Verständnis mitbringen. Es ist viel Arbeit am Computer mit Diagrammen und Statistiken und die gute alte Wahrscheinlichkeitsrechnung aus dem Mathematikunterricht kommt hier öfters zum Einsatz als man denkt. Weiterhin sollte man ein kommunikativer Mensch sein. Ja, den Großteil meiner ersten Semester habe ich auf der Straße gestanden und meine Mitmenschen gefragt: Hätten sie kurz Zeit für eine kleine Umfrage?

Dafür braucht man ganz, ganz viel Motivation. Und jeder der sich freut: Oh, Soziologen haben meistens nur 4 Tage in der Woche Uni und nur 1 bis 2 Lesungen pro Tag. Das ist aber ein bequemer Studiengang. Falsch gedacht. Zu den 8 mal 90 Minuten Vorlesung/ Übung gehören Minimum 32 Stunden Vor- und Nacharbeit, bearbeiten aktueller Studien und Erarbeiten von Seminar- und Semsterarbeiten.

Seit der Umstellung von Diplom/Magister zu Bachelor/Master sind 8 Wochen Praktikum Pflicht. In der Realität sieht hat man als Student Praktikas zwischen 6-18 Monaten, weil es eine gigantische Arbeit ist, den Praktikanten einzuarbeiten, grade in den großen Marktforschungsinstituten.

Als fertig studierter Soziologe ist man auch nicht auf einen bestimmten Beruf festgelegt. Als Soziologie findet man in ganz vielen Berufszweigen eine Anstellung. Du kannst in der Personalabteilung eines Unternehmens oder in der Stadtverwaltung tätig sein. Auch in der öffentlichen Verwaltung lässt sich was finden. Die meisten Arbeitsstellen warten natürlich in der Markt- und Meinungsforschung. An der Uni oder anderen Hochschulen kann man auch weiterforschen und auch Unterrichten.

Ok, das Gehalt variiert je nach Stelle extrem. In der Berufsberatung (da gibt es sogar ein eigenes Modul im Studium) bekommt man gesagt: So als Einsteiger Bachelor ca 2.500,-€ und Master ab ca. 3.000,-€. Nicht als Frau, nicht im Osten und auch nicht während der Probezeit.

Ich hoffe ihr konntet euch ein Bild von diesem Studiengang machen und wünsche euch allen noch einen schönen Samstagabend